Hinter den Kulissen des IBB-Hotels an der Krämerbrücke
Porträt
Der stellvertretende Küchenchef des IBB-Hotels, René Gutjahr, zeigt der Auszubildenden Janine Pokrywka, wie man Lachs in hauchdünne Scheiben schneidet. Der Fisch wird später auf dem Frühstücksbüffet schmackhaft angerichtet. Foto: Marco Schmidt
Im Hotelbetrieb sollte nicht nur alles reibungslos für den Gast ablaufen, sondern auch das Herz an der Arbeit hängen. Ein Blick durch die Hintertür des IBB-Hotels an der Krämerbrücke zeigt, wie so etwas täglich realisiert wird.
Altstadt. Um die Krämerbrücke herum ist es sehr still an diesem Morgen. Die Stadtreinigung beseitigt noch letzte Reste des vorabendlichen Weihnachtsmarktgelages. Das feuchtnasse Wetter verleiht dem Anblick der bewohnten Brücke etwas Mystisches, aber dennoch nicht minder Anheimelndes. Eingebettet in diese Kulisse steht ein Hotel, das seinen Gästen Refugium und Bühne gleichermaßen ist. Die Uhr zeigt 9:30 Uhr. In der Empfangshalle sitzen vereinzelt Geschäftsleute, trinken Kaffee und lesen ihre E-Mails. Zeitgleich wird ein großer Geschirrwagen vom Frühstücksraum in die Küche geschoben. Beide Räumlichkeiten sind nicht sehr groß und vermitteln deshalb eine familiäre Atmosphäre, die sowohl den öffentlichen als auch den für Gäste nicht zugänglichen Teil des Hauses durchzieht. Seit 5:30 Uhr laufen die Frühstücksvorbereitungen. Für gewöhnlich kochen die Servicekräfte 50 Kannen Kaffee an einem Morgen. Hier brauchen die - auch internationalen - Gäste augenscheinlich etwas mehr vom Muntermacher. Obwohl das Haus überschaubare 91 Zimmer und etwa 180 Betten fasst, ist es mit allem anderen als einer Bettenburg vergleichbar. "Etwas mehr" lautet die Devise, wenn man den Blick durch die Küche schweifen lässt, wo es in den Morgenstunden sehr geschäftig zugeht. Knapp 10 Kilogramm Rührei werden pro Schicht in die Pfanne gehauen. Zu ihm gesellen sich cirka 25 gebratene Würstchen, von den etlichen Brot- und Brötchensorten ganz zu schweigen. Souschef René Gutjahr ist einer von 45 Mitarbeitern und seit 8 Jahren im Hotel. Die Belegschaft ist im Allgemeinen sehr jung, aber durch jahrelange Zusammenarbeit zu einer Familie gewachsen. Gerade erklärt Gutjahr der Auszubildenden Janine Pokrywka den Unterschied zwischen Setzei und Spiegelei. Der Umgangston ist überhaupt nicht ruppig, bei allem Stress bleibt immer Zeit für ein Späßchen. "Aber in einer Familie streitet man sich auch mal", sagt der stellvertretende Küchenchef.
24 Stunden am Tag für die Gäste am Empfang
Wenige Schritte von der Küche entfernt steckt Buchhalterin Simone Möller an der Rezeption Mahnungen an Gäste in Briefumschläge. "Manchen muss man auf die Füße treten - das gehört leider auch dazu." Hauptsächlich spielen sich am Empfangstresen aber die schönsten und spannendsten Dinge im Hotelalltag ab: Menschen unterschiedlichster Charaktere checken hier ein und aus. An diesem Tag werden es noch 52 sein, weiß Empfangschefin Annett Mädler. Sie ist die "Dienstälteste" und seit der Eröffnung des Hotels 1995 dabei. 24 Stunden am Tag sind die 5 Mitarbeiter am Empfang dafür zuständig, sämtliche Wünsche der Gäste zu erfüllen oder weiterzuleiten. "Meistens werden wir auch dafür verantwortlich gemacht, wenn doch mal etwas schief geht", erklärt Annett Mädler. Freundlich bleibt sie dann jedoch immer.
5 bis 6 große Wäschewagen füllen die Zimmermädchen an einem Tag. Nach dem Wochenende können es auch 9 sein. In eine Wäscherei nach Leipzig gehen die Laken und Handtücher. Diese Aufgabe bleibt den 6 Reinigungskräften erspart. Seit 5 Uhr ist die erste Schicht unter Leitung der Hausdame Jana Brandt damit beschäftigt, die öffentlichen Bereiche des Hauses, aber auch Zimmer von früh Abgereisten herzurichten. Etwa 20 Minuten benötigt das Zimmermädchen Angelika Joost, um eines der 25 Zimmer in ihrer Schicht für den nächsten Gast wohnlich zu machen. Manchmal dauert es aber auch länger: "Da habe ich schon böse Überraschungen erlebt", erinnert sie sich ungern. Mit Blick auf den kleinen Weihnachtsmarkt hinter der Krämerbrücke liegt eins der vielen Herzen des Hotels: Neben dem Büro des jungen Hoteldirektors Stefan Brandt pulsiert am Arbeitsplatz von Sandra Ludwig und Stefanie Köhler die kreative und organisatorische Ader des Hauses. Erstgenannte der beiden aufgeschlossenen Frauen plant zum Beispiel Tagungen und Hochzeiten, die hier stattfinden. 18 waren es im vergangenen Jahr. Stefanie Köhler, Mutter einer 5-jährigen Tochter, macht unter anderem Firmenverträge und bereitet Auftritte bei Messen vor. Besonders im Büro der beiden Frauen wird deutlich, was das Haus samt seiner Belegschaft suggeriert: Lachen dringt aus dem Zimmer. In einem Hotel gibt es stets lustige und erstaunliche Geschehnisse - auch mit Prominenten oder individuellen Persönlichkeiten - über die man sich in einem ruhigen Moment bei verschlossener Tür austauscht. Dennoch wird gewissenhaft und diskret gearbeitet. Abfällige Worte, ob über Gäste oder Kollegen, gibt es hier nicht. So ist es, wenn nicht nur die Mitarbeiter ein Teil dieser großen Familie sind. Und Stefanie Köhler weiß: "In dieser Familie teilt man alles mit dem Gast. Von Freud bis Leid."
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